Verfasst von: Sandro | 9. September 2007

Der Abschluss

Was kann man zu so einer Tour noch abschließend sagen? Tausend Geschichten, die ich vergessen habe zu erzählen, nochma tausend für die ich keine Zeit hatte. Also hinein in ein paar vergessene Anekdoten.

Aber halt… Vorher ein paar nackte Fakten:

  • gefahrene Kilometer: ca. 2100 (Fahrradcomputer hat bei 1800 km aufgegeben)
  • erklommene Höhenmeter: ca. 17000
  • Pannen: 3
  • Wasserverbrauch während der Fahrt: 4 L pro Tag
  • Schokoriegelverbrauch: mindestens 5 pro Tag
  • gegrüßt worden in Frankreich: mindestens 10 x am Tag
  • gegrüßt worden in Spanien: ca. 1 x am Tag

An den letzten beiden Fakten kann man sehen, was die Spanier über Radfahrer so denken…. Nix nämlich. Ich interpretiere deren Blick einfach mal als Verblüffung wenn ich ihnen ein Hola! entgegenbringe.

Aber fangen wir doch wie immer am Anfang an. Ein Schmankerl was ich nie berichtet habe war die Zeit in Genf. Dort war ich nämlich der Verzweiflung nahe und war kurz davor alles hinzuwerfen bevor es überhaupt los geht… Wie kam es dazu?

Alles fing mit einer harmlosen Schraube an meinem Vorderradgepäckträger an. Ich wollte den Gepäckträger anbringen und zog dafür diese jene Schraube mal ordentlich ins Gewinde. Zu ordentlich. Denn auf einmal ging gar nix mehr. Mir schwante da schon böses. Nach herausdrehen und wieder reindrehen merkte ich, dass ich scheinbar ein neues Gewinde reingedreht habe und sie nicht mehr fest sitz. Das war der erste Schock. Der zweite war als ich versuchte den Gepäckträger doch noch anzubringen. Das klappte nämlich auch nicht mehr. Komisch. Zu hause war doch alles wunderbar? Und hier war er immer schief. Später sollte mir klar werden, dass ich das Vorderrad eingedreht hatte und somit es aussah als ob der Gepäckträger schief wäre. War er in Wirklichkeit gar nicht. Soviel Dummheit tut schon fast weh oder?

Schock Nummer 3 trat ein als ich versuchte an der Schaltung ein Finetunig vorzunehmen. Nur ein wenig einstellen. Was war das Ergebnis? Die TOTALE Katastrophe. Ich hatte ungefähr noch 3 Gänge die funktionierten. Und das wars. Ich fasse also zusammen: Kein funktionierender Vorderradgepäckträger und keine Schaltung. So schläft es sich nicht sonderlich gut. Ich war schon mit den Nerven am Ende bevor der Start überhaupt vollzogen war.

Hier die Lösung: Schraube ersetzt durch einen anderen Gepäckträger, den ich im Laden kaufte und wieder zurückgab. Ein Austausch sozusagen. Die Schaltung bekam ich nach langem probieren wieder hin und stellte seitdem keinen Millimeter mehr daran herum. Ich war so glücklich losfahren zu können. :)

Auch habe ich von meinen kulinarischen Entdeckungen noch nicht erzählt. Die Schweizer und Franzosen habens schon mächtig drauf mit dem Essen. Meine Highlights:

  • Pistazienschokolade (die beste Schokolade, die ich je gegessen habe…)
  • Schokopudding mit Kokos
  • Brot mit Oliven…
  • Schokoaufstrich ausm Aldi ;)

Weiter vom kulinarischen zum Resüme zu ein paar Vergleichen. Beginnen wir mit der Frage: Was ist besser? Flach- oder Bergetappe? Da fällt mein Votum klar und deutlich für die Bergetappe aus. Nie wieder ohne Berge. Ist einfach nur gigantisch schön. Weder in Worte geschweige denn in Bilder zu fassen. Man vergisst die Strapazen sowas von schnell und irgendwie ist man nach ca. 3 Bergen einfach dran gewöhnt, dass es nicht ganz so schnell voran geht. Und spätestens bei der Abfahrt fragt man sich, ob man wirklich so hoch gefahren ist. Schließlich ist so ne Abfahrt schon ganz schön lang. Und jedem entgegenkommenden Radfahrer bei der Abfahrt möchte man trösten bei dem was da noch auf sie zukommt.
Einzig das Meer kann mit den Bergen mithalten. Mit dem Meer an der Seite fährt sich es sich im Flachen sehr angenehm. Ohne ist es einfach todlangweilig alleine.

Die nächste Frage: Allein- oder gemeinsam. Hier gibts ein definitives „SOWOHL ALS AUCH“. Alleine fahren ist am Anfang schwer und wird mit jedem Tritt besser. Man lernt wirklich mit sich und seinen Gedanken in eine angenehme Welt zu gehen. Auch wenn es nicht so läuft versucht man das Beste draus zu machen. Außerdem ist man dynamischer beim Aufstehen und losfahren. Es gibt einfach niemanden an dem man sich halten kann. Alles wird zielstrebiger und geradliniger. Zu zweit (oder mehr) kann man die Zeit, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken teilen. Das erleichtert die Fahrt ungemein und macht die Erinnerungen irgendwie reicher und lebendiger.
Das Schwierige ist eigentlich nur die Umstellung. Wenn man das geschafft ist eigentlich beides toll

Wo wir gerade bei Umstellung sind. Natürlich ist es nach über 4 Wochen Radtour gar nicht so einfach wieder ins „normale“ Leben eizusteigen. Hier ein paar Hinweise dafür:

  • man trinkt weiterhin aus den Trinkflaschen
  • nachts läuft man mit Stirnlampe durch die Wohnung
  • man verschlingt immenoch Spaghetti für 2
  • morgens sucht man den Reißverschluss vom Zelt

Ich denke ich belasse es erstmal dabei. Die nächsten Einträge werden dann endlich von Spanien und den Erfahrungen hier handeln. Und da gibts auf jeden Fall auch viel zu berichten.

hasta luego


Antworten

  1. bei den fotos kann man ja regelrecht neidisch werden. wie geht es dir? nähert sich dein wortschatz schon dem perfekten spanisch an? hoffe dir geht es blendend (ach …da bin ich mir relativ sicher!) sei umarmt und liebe grüße

  2. schön von dir hier immer zu lesen.
    Krasse Sache mit den ersten Tagen! Hat man dir nich angemerkt durchs lesen. Musste aber auch voll lachen bei den Angewohnheiten, also beim nächsten abendlichen skypedate dann bitte mit stirnlampe;)
    Viel Spaß jetzt in der neuen Umgebung. Und nicht vergessen, Erasmus heisst eigentlich Orgasmus….


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