Verfasst von: Sandro | 1. September 2007

Is mir schlecht ?!

Es muss wohl an der Hoehe gelegen haben, dass ich mich am Pico de Veleta mich alles andere als wohl gefuehlt habe. Aber wie immer der Reihe nach.

Zuerst hiess es um 6.20 Uhr aufstehen um den Zug nach Granada zu bekommen. Am Bahnhof gleich der erste Spass. Gepaeckkontrolle wie am Flughafen. Was ein Spass. Einmal das komplette Gepaeck abnehmen, dann aufs Band und anschliessend schoen wieder anbringen. Und oh Wunder! Keine Bombe in meinen Gepaecktaschen. Insgesamt durfte ich mein Gepaeck genau 10 Mal abnehmen oder wieder anbringen. Das lag zum einen an den genialen Zuegen die definitv nicht fuer Fahrraeder vorgesehen sind oder an den nicht vorhandenen Fahrstuehlen/Rolltreppen. Aber jetzt bin ich wenigsten drin beim Taschenanbringen und oder abnehmen ;)

Der 1. Tag fuehrte mich an den Fuss der Sierra Nevada. Ich hatte einen tollen Blick auf die 1. Berge. Ich war dann aber schon frueh am Campingplatz und hab mich dann dort am Pool auf die kommenden Strapazen vorbereitet. Ja fuer 18€ die Nacht kann man wohl nen Pool erwarten oder? Der teuerste Campingplatz auf dem ich auf meiner gesamten Reise gewesen bin.

Ok. Neuer Tag, neues Glueck. Ich kam so gegen 9 los und war eigentlich auf alles vorbereitet. Die erste Stunde war wie gewohnt schwierig. Dazu kamen Anstiege von ca 15%, die ihr uebriges taten. Danach lief es aber immer besser und so gegen 1 war ich schon auf 2000m. Wohlgemerkt: Der Gipfel lag auf 3200 m Hoehe und dort oben sollte mich eine Berghuette laut Plan erwarten.
Auf 2000m war es dann auch ganz angenehm von der Temperatur. Ich habe kaum noch geschwitzt. Dafuer wurde natuerlich der Wind immer staerker, der am Gipfel natuerlich seinen Hoehepunkt hat. Da muss man schonmal die eine oder andere Boe abwarten bis man weiter fahren kann.

Aber zurueck zur Mittagszeit. Mit zunehmender Dauer bekam ich leichte Kopfschmerzen, war leicht benommen und vor allem total muede. Ich bin fast auf dem Rad eingeschlafen. Also im Sinne von mir fielen die Augen zu. Getrunken hatte ich eigentlich genug. Dachte ich zumindest. Ich hatte nur ausser acht gelassen, dass die Luft auf dem Berg extrem trocken war. Und so reichten dann 4 Liter Wasser waehrend der Fahrt plus ca. nen halben Liter unmittelbar vor der Fahrt nicht aus. Aber das sollte ich erst spaeter merken.

Auf ca. 2600m war dann die letzte zivilisierte Station. Dort habe ich nochmal meine Flaschen aufgefuellt und waehnte mich auf der sicheren Seite. Die letzten 600m hinauf waren dann aber extrem hart. Die Strasse war schlecht, der Wind sehr stark und dazu noch relativ kalt trotz Sonne, die mir dann die Lippen verbrannte. (Sonnencreme immer uebers gesamte Gesicht verteilen ! ;) ) Ich habe viele Pausen gemacht und mich einfach ueber den Lenker gehangen. Die Muedigkeit samt Kopfschmerzen und extreme Mundtrockenheit verlangsamten die Fahrt unheimlich. Aber wie ich auf dieser Tour lernte: Man kann alles schaffen. Man braucht nur ZEIT.

So kam ich dann gegen Abend an. Eine alte Steinhuette mit einem polnischen und einem tschechischen Paerchen fand ich vor. War ganz angenehm. Ich war nur in einem sehr komischen Zustand. Von den Muskeln her war ich nicht so schlimm fertig. Ich war nur nicht ganz klar im Kopf. Reden war mir da nicht gerade ein besonderes Anliegen. Aber es reichte um mit ihnen ueber das alltaegliche zu reden: wo kommt man her, was macht man, was hat man erlebt, wo gehts weiter hin…

Kochen und Abendprogramm waren erledigt. Einen der genialsten Sonnenuntergaenge, die ich so gesehen habe in meinem Leben. Naja bin halt nur die Sonnenuntergaenge ausm Flachland gewohnt ;) Auf 3200m Hoehe sieht der ein wenig anders aus. Der Himmel war in rot und tuerkis getraenkt und am Horizont sah man Granada. Wunderschoen.

Nur das Problem mit dem Wasser war noch nicht erledigt. Ich hatte mir meine letzte Ration fuer die Nacht aufbehalten. Mit Kopfschmerzen ging ich schlafen. Inzwischen hatte ich auch ein leichtes Gefuehl der Atemnot. Ich glaub ich habe ungefaehr ne Stunde geschlafen bis ich aufwachte und mein letztes Wasser trank und ich ab dann nicht mehr einschlafen konnte. Mir war klar, dass ich unbedingt Wasser brauchte. Also was machen? Ungefaehr 100 m tiefer gab es eine Art Lagune mit geschmolzenen Eis samt Fluesschen. 100m tiefer sind mehr als 1 km Weg zu laufen…  Mir blieb nichts anderes uebrig als mitten in der Nacht mich  warm! anzuziehen und loszuziehen.

Ich also halb benommen, stipf stapf durch die naechtliche Sierra Nevada bei hellem Mondschein. Im Mondeslicht sah alles sehr surreal aus. Der Schiefer auf jeden Fall war weiss und man koennte meinen es laege Schnee. Ich glaube alles in allem habe ich ne Stunde gebraucht um hinab und wieder hinauf zu laufen. Aber die Mission war erfolgreich. Wasser war aquieriert und ich merkte wie es mir mit jedem Schluck besser ging. Im Refugium angekommen fiel ich in einen Schlaf der Gerechten…

Im Nachhinein war es klar: Mein Blut war zu dick. Der geringe Sauerstoff konnte nicht richtig transportiert werden und so bekam ich das Gefuehl der Atemnot und Benommenheit. Die gute alte Hoehenkrankheit. Wieder was gelernt!
Am naechsten Morgen wurde mir dann klar, dass dieser Tag schon ne Bedeutung hat. Irgendwie mag ich net mehr reisen. Das Umstellen von Gemeinschaft auf Alleinsein ist vor allem am Anfang recht schwer und so entschied ich mich wieder gen Heimat zu begeben. Richtung Malaga.

Dies ist also das Ende meiner Reise mit dem Rad. Richtung Granada, dann Zug nach Malaga und Conde de Guadalhorce 4B. Einen Abschlussbericht mit ein paar Schmankerln meiner Reise werde ich die naechsten Tage noch schreiben… Hab da schon was im Kopf. :)

Hasta luego


Antworten

  1. Dann beglückwünsche ich dich mal zum erfolgreichen Ende deiner Reise!

    Offensichtlich blieb sie nicht ohne die von dir in vielen Beiträgen geschilderten „Nebenwirkungen“: Neue Bekanntschaften, schnelle Abfahrten, das Gefühl der Freiheit, Erfolgserlebnisse am Ende eines jeden Tages, der Anblick schöner Landschaften, die Erkenntnis, dass Höhenluft nur manchmal gut ist und viele andere…
    Gegen solche schönen Erinnerungen haben verregnete Tage, lästige Gepäckkontrollen und heftiger Gegenwind wohl wenig zu bieten. Das Gute siegt eben doch immer. ;)

    Alles in Allem klingt es, als hättest du viel erlebt, was dir persönlich etwas geben konnte, vielleicht sogar etwas für dein ganzes Leben. (Dieses ETWAS ist für dich wahrscheinlich besser zu beschreiben als für mich, deswegen versuche ich es erst gar nicht.)

    Jedenfalls freue ich mich für dich! Deine Beiträge habe ich stets gerne gelesen und ich bin gespannt auf die kommenden Beiträge, in denen du als Jemand schreibst, der vielleicht schon einen gewissen Abstand zu seiner Reise gewonnen hat. Im Nachhinein erzählt man ja Geschichten bekannterweise immer anders als man sie noch währenddessen erzählte…

    Grüße
    Arvid

  2. boah sandro, krasse action, zu viel höhenuft, daher kommts! Jetzt gehts also los mit Malaga 2007! Sag noch ma du willst doch am 04.September kurz wiederkommen?! wie schauts da aus hast du schon geplant wann du wo sein willst? ich sag nur passadeena im mau am 08 september ;)
    also dann schon dich mal von deinen Strapazen! Ich freu mich schon auf die Reiseschmankerl

  3. mensch Arvid. ja das hast du toll gesagt. Ich kann nur sagen, dass die Reise mit ihren Hoehen und Tiefen mir eine Menge von dem „Etwas“ gegeben hat nach dem ich so suchte.
    Und es geht ja weiter. 6 Monate Spanien liegen vor mir. Etliche neue Menschen, viel neues und viel Schoenes hoffe ich. Mein Abschlussbericht folgt…
    Zusaetzlich gibts fuer alle Studivz-nutzer ein paar neue Bilder. Viel Spass dabei…

  4. Wat!? 8.9.? Mau? Passadeena?

    Alter, Steffi und ich sind dabei! See yaa!


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien