waren unheimlich ereignisreich. Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht mit dem Ende?
Also ich bin heute abend in Bilbao angekommen nach einer langen Tour durch das Baskenland. Rauf und runter ging es. Ist irgendwie nicht wie bei uns an der Kueste wo alles flach ist. Meist tuermen sich klippen vom Wasser hinauf. Das macht diese Kueste umso reizvoller und interessanter. Heute war dann mein erster Tag an dem ich alleine war. Ja alleine. Das Gegenteil von nicht alleine
Aber vielleicht doch von Anfang an…
Also von Carcassonne ging es nach ueberstandener Poolparty und Sightseeing bei Nacht mit dem Zug nach Tarbes. Das liegt noerdlich der Haute-Pyrenees. Ich hatte mir vorgenommen so nah wie moeglich ans Gebirge zu fahren und dann mit dem Rad hinein. Und Kinder das war die beste Entscheidung, der Tour. Ich war so gluecklich die Berge vor mir zu sehen. In weiter Ferne ragten sie hinauf und ich halt mitten hinein. Und was war nun los? Keine rasende Franzosen? Keine heizenden Motorraeder? Keine LKW die einen im Briefmarkenabstand ueberholen? Das muss das Paradies sein… Naja es waren halt die Pyrenaen. Und die sind so verdammt ruhig und bodenstaendig. Einfach nur genial.
Also beschloss ich nicht zu lange zu fahren und den naechsten Tag den Tourmalet (2100m) mit Genuss anzugehen. Naja wie man bei dieser Anstrengung von Genuss sprechen kann ist wahrlich schwer zu sagen. Aber nunja.
Hinauf zum Tourmalet, uebrigens der meist gefahrene Berg der Tour de France, begnete ich tatsaechlich zwei weiteren Radwanderen mit aehnlich viel Gepaeck. Nach kurzem Schnack hiess es nur: „see you on top“
Also hinauf auf diesen wunderschoenen Berg. Oben gabs dann nen langen Plausch ueber dies und das. Jaja Radler unter sich. Peter aus Holland, Ivo aus Italien und meine Wenigkeit verbrachten die Abfahrt und den Abend gemeinsam auf dem naechsten Campingplatz. Dort gab es natuerlich noch mehr Geschichten zu erzaehlen. Hier schmiedeten Ivo und Ich dann auch den Plan weiter gemeinsam zu fahren Richtung Atlantik. Das hiess also gemeinsam durch Berg und Tal wandern.
Der naechsteTag hatte es auch sogleich in sich mit 3 Bergen, 12 Grad und Nebel mit weniger als 20m Sichtweite. Der Nebel war dann aber erst richtig stark auf 1700 m. Also genossen wir die Ruhe des Anstieges zum Col d’Aubisque, die Atmosphaere und die Tiere die ringsum und auf der Strasse genuesslich weideten. Nach der ueberstandenen Bergankunft ohne Panorama, wie gesagt Nebel fuhren wir hinab um noch ein wenig vom naechsten Berg mitzunehmen, dem Col de Marie Blanque. Also liessen wir alle schoenen Campingplaetze zurueck um auf einem hoeher gelegenen Platz zu campen. Aber es kam wie es kommen musste…
Wir verpassten den Campingplatz irgendwie und mussten im Tal jemanden fragen wo denn der naechste Campingplatz. Die Beine waren inzwischen schwer und muede, aber wir quaelten uns noch die letzten 10 km hinauf und hinab und am Ende des Tages standen 93 km zu Buche. Das ist schon hart. An diesem Tage wurden dann auch die zwei haufigst gebrauchten Wendungen der naechsten Tage geboren:
- easy day
- we’re completely fuckid (mit italienischer Aussprache)
Also lagen nur noch easy days vor uns. Jedoch gab es jeden Tag Berge nur immer kleiner und weniger. Und wenn man sichs nur immer wieder einredet so kommt einen jeden Tag irgendwann echt easy vor.
Fassen wir also zusammen: Es folgten 2 easy days in denen wir viel ueber die Welt, die Frauen und das Radeln redeten. Da faellt mir ein, dass der Ivo ja auch noch der Retter in der Not war als mein Bowdenzug fuer die Schaltung riss. Nicht nur, dass er Ersatz hatte, er wusste die Schaltung auch fachmaennisch einzustellen. Ich Glueckspilz ich…
Nun denn kamen wir also ganz easy in St. Jean de Luz an. Der Atlantik war erreicht und zeigte sich mit seiner Schoenheit. Dort hiess es dann Abschied nehmen, denn Ivo musste heim und fuer mich ging es weiter nach Spanien, Richtung San Sebastian und Bilbao. Das war traurig fuer mich, aber umso schoener da wir sicher nun regelmaessig mal schauen was beim andren so geht
Ausserdem gibt es sicherlich die Moeglichkeit mal nach Trentino zu fahren wo der Ivo in einer alten Steinhuette lebt.
Also waeren wir am Ende angekommen. San Sebastian – Bilbao an einem Tag. Hart aber machbar. 113km standen zu Buche plus ein paar kleinere Anstiege, die aber eher Salz in der Suppe sind. Dazu dieses schoene Kuestenlandschaft. Inzwischen nehme ich mir sogar Zeit mittags ein Schlaefchen zu halten oder mein Buch zu lesen. Inzwischen ist es auch schon durch und kann es nur waermstens weiter empfehlen. Alle Liebhaber tragischer Geschichten werden mit „Die Raueber“ von Friedrich Schiller ihre wahre Freude haben.
Also genug der Vergangenheit. Wie es weiter geht muss ich mal schauen. Ich werde mit dem Zug aus Bilbao hinausfahren und dann der Kuestenlinie folgend Richtung Westen ziehen. Mal schauen wo es mich so hin verschleagt.
Seid lieb gegrusst
y hasta luego…



Ui, das war ja mal eine schöne Geschichte. =)
Klingt, als hättest du mehr als nur viel Gefallen an deiner Tour. Es macht den Eindruck, dass du bei all den körperlichen Anstrengungen auch seelisch echt aufgehst. Das ist schön, zu wissen.
Offensichtlich war die Tour genau die richtige Entscheidung für dich!
Noch viel Spaß und schöne Grüße von Steffi!
LG
Arvid
post scriptum: Ich glaub, meine anderen Kommentare zu deinen Berichten waren etwas mehr von Spitzzüngigkeit geprägt. Da muss ich jetzt irgendwie noch die Kurve kriegen, um ja nicht aus der Reihe zu fallen. Und am besten kann ich das mit einer Beleidigung…
Also dann, gute Fahrt du alter Homofürst! Und vergiss nicht, den Sattel von der Sattelstange zu entfernen.
Von: Arvid am 19. August 2007
um 7:51
Heute kam deine Postkarte bei mir an! Jippie, danke! =)
Steffi lag sie mir nur auf den Schreibtisch, hab die zuerst gar nicht gesehen. Als ich dann Berge und Fahrräder auf einem Bild im Postkartenformat neben meiner Tastatur liegen sah, wusste ich sofort, dass das von dir ist.
Dicken Bussi von mir!
Arvid
Von: Arvid am 21. August 2007
um 4:05
Hey Sandro,
das hoert sich ja nach einer coolen Zeit an & es werden wohl ein paar Erinnerungen haengen bleiben.
Willst du eigentlich bis nach Portugal und nimmst du vorher schnurstracks den Zug?
Ach ja die Karte ist auch angekommen, ein dickes Danke Schoen dafuer. Sie haengt jetzt mit einem „travel Iowa“ Magneten an unserem GE Kuehlschrank!
LG Sebastian
Von: Sebastian am 21. August 2007
um 5:45
Hey Sandro
halte nun auch eine Bergkarte von dir in den Händen. vielen vielen Dank dafür; und ja die kiddies die nehmen wir mit
hab schon gedacht du bist schon verschollen, gab ja fast 9 Tage nichts zu hören. Aber umso schöner jetzt von dir so viel zu lesen.
Ich hatte nen super schönen Ostseeurlaub mit meinen Berliner MedizintechnikLeutz, wir waren Segeln von Rostock nach Stralsund, fast 12h auf nem Luxus 12m Segler!
Ich freu mich schon auf deine kleine Stippvisite wenn du deine Sachen abholst. Es gibt ne Menge zu erzählen!!
Also lass es dir weiter gut gehen und schon dei Bowdenzüge!
Felix
Von: felix am 21. August 2007
um 10:23