Wieder einmal Nachricht von mir aus den Bergen. Ich habe mich heute tapfer geschlagen. Gestern bin ich 70 km plus Col du Telegraphe und heute stand der Galibier auf dem Plan. Aber nicht bei strahlenden Sonnenschein… Nein das waere ja einfach. Ueber Nacht hat sich ne fiese kaltfront herangeschlichen und so begann es heut morgen an zu regnen.
Der Wetterbericht sagte vereinzelt Schauer und Gwitter voraus. Aiai… Aber der Campingplatz war teuer und ich wollte dort weg. Also los hinauf 2650 m. Auf einen der gefuerchtesten Berge der Tour de France. Und ich weiss jetzt auch wieso…
Die ersten paar Kilometer gehts gemuetlich bei 5% Steigung. Da is man nach eineinhalb Stunden ordentlich fertig und dann sieht man das Unheil kommen. Steil ragt er hinaus und man sieht die Serpentinen mit ca. 10% Steigung und das gibt dir moralisch schon mal einen mit. Ach ja das Wetter… War wechselhaft bis dann eine fiese schwarze Wand ueber den Berg kam mit Hagel, Wind und Blitzen. Die Temperaturen fallen da auf 2000 m natuerlich richtig ab und ich konnte mich gerade noch in eine kleine Huette retten wo mir ein zahnloser Mann ein paar Tueten reichte mit den ich meine halb erfrorenen Haende einwickeln konnte… Sehr gute Idee. Und so ging es hinauf. Zwischenzeitlich nicht so extrem steil bis zu den letzten 2000 m. Da sieht wieder das Unheil in Form der Serpentinen kommen.
Aber auch die wurden mit letzter Kraft erklommen. Und oben ging dann das Umgeziehe los. KOMPLETT! ausziehen und in trockene warme Sachen weil auf der Abfahrt pfeift der Wind so fies da ist jeder Tropfen Schweiss an der Haut ein Garant fuer Kaelte. Der Anblick hat dann natuerlich ein paar Blicke auf sich gezogen und ich wurde doch glatt auf nen Kaffee eingeladen. In einen warmen Camper.
Und ich muss sagen, obwohl ich keinen Kaffee mag war das der beste Kaffee meines Lebens. Tausendmal hab ich mich bedankt und nachdem ich wieder einigermassen warm war gings hinab.
Hinab durch die Wolken, Hagel, Nebel und Kaelte. Aber ich hatte ungefaehr alles an was meine Tasche hergab. Als „Goldstaub“ erwies sich meine Funktionsunterwaesche. Die haelt sowas von warm.
Und was fuer ein geiles Gefuehl wenn man im Tal mit jedem Meter hinab die waerme spuert. Auf der anderen Seite schien naemlich die Sonne. Und als es warm genug war flackte ich mich an den Strassenrand und liess mir ordentlich die Sonne auf den Bauch knallen.
Was fuer ein Tag. Das zaehlt schon jetzt zu den coolsten Sachen, die ich so erlebt habe in meinem Leben und dabei bin ich grad ma ne Woche auf dem Rad.
So jetzt fix nen Zeltplatz finden und Abendbrot essen. Ich hab uebrigens meine Tour noch ein wenig geaendert. Ich fahre einen Berg mehr. MOrgen gibts den Col d’Izoard. Der soll der schoenste hier sein. Das ist schon der letzte grosse Berg hier und ich werd danach die Alpen verlassen. Richtung Marseille und Mittelmeer…



geile Sache Sandro! ne Tüte zum Händewärmen. Das hört sich wirklich extrem an!
Für den Col d’Izoard wiederum alles Gute und jede Menge Camper auf dem Weg die dir nen Kaffee anbieten!
Ach und dann kommt ja die wunderschöne Mittelmeerküste! Ich sach nur Rut de Crete und die Calanche!
Von: felix am 3. August 2007
um 6:53
alter schwede, bei den anstrengungen bin ich schon etwas froh, nicht mitgekommen zu sein…
aber es klingt trotzdem verdammt geil, was du erlebst und siehst.
was die 10% angeht… krass.
ach so, ich hab da noch nen tipp für dich, bei dem du nie mehr nasse klamotten hast: fahr nackig!
und damit du obendrein so richtig windschnittig wirst, rasierst du dich noch am gesamten körper schön blank.
gruß
arvid
Von: Arvid am 3. August 2007
um 9:13
Aha… So verdient man sich also einen Kaffee: mit Strippen
Scheint Dir ja trotz der Strapazen ganz jut zu gehen… Viel Spaß noch!
Hasta la proxima
Von: Eva am 3. August 2007
um 12:30